Urban Geotrail Bern

Ziel
Mit dem Projekt „Urban Geotrail“ möchten wir über einen niederschwelligen, spielerischen Zugang das Interesse von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I an erdwissenschaftlichen Themen und an deren Verknüpfungen mit der alltäglichen Erlebenswelt wecken. Die Zugangsschwelle möchten wir durch Alltags- bzw. „Lebenspraxisnähe“ der behandelten Themen senken. Generell sollen wissenschaftliche Denkweisen bzw. wissenschaftliches Vorgehen mit der alltäglichen Erlebenswelt der Schülerinnen und Schüler verknüpft werden. Im Zentrum stehen dabei Beobachtungen an Gesteinen und an Gebäuden im städtischen Raum, sowie daraus ableitbare, spannende Geschichten.

Umsetzung
„Urban Geotrail“ macht sich in Form eines Freiluft-Werkstattunterrichtes jene Gesteine zu Nutze, die im städtischen Umfeld vorhanden sind. Auf einer Karte sind 15 Posten sowie der Weg dorthin in Form eines zusammenhängenden Parcours eingezeichnet. Dadurch kann gleichzeitig auch die Orientierung mit einem Stadtplan ohne Handy-Navigation geübt werden. Die Posten können Mauern, Fassaden,
Brunnen, Treppen, Pflästerungen, steinerne Kunstwerke und dergleichen sein. Diese sind weder speziell markiert noch befinden sich dort Informationsmedien. Eine Karte des Geotrails und die notwendigen Unterlagen zu den Posten führen die Schülerinnen und Schüler selbst mit sich.
An den einzelnen Posten wird über die verbauten Gesteine zunächst ein Bezug hergestellt zu deren jeweiliger geologischer Entstehungsgeschichte. In der Folge werden Bogen gespannt zu generellen erdwissenschaftlichen oder umwelt- und kulturrelevanten Themen, je nachdem, was sich an den einzelnen Posten anbietet.
Den Zugang zur Geologie und zu erdwissenschaftlichen Themen bilden Geschichten zur Entwicklung der Erde bzw. Erdkruste, welche den Gesteinen mittels einfacher Elemente der „Sprache der Gesteine“ entlockt werden können. Diese Geschichten werden in einem zweiten Schritt mit aktuellen Umweltthemen wie z.B. mit dem Klimawandel und den damit verbundenen Umweltveränderungen, mit mineralischen Rohstoffen, der Ressourcennutzung im Alltag, Baumaterialien, Architektur, Kultur, Kunst und dergleichen verknüpft. Um den Geotrail inhaltlich nicht zu überladen, werden diese Themen in Form von Ergänzungen separat angeboten. Je nach Zeitbudget und / oder Leistungsfähigkeit der Klasse können die Ergänzungen in den Geotrail integriert werden oder später im Klassenzimmer bearbeitet
werden. Es ist auch denkbar, dass die Ergänzungen ganz oder teilweise von Schülerteams vertieft und der Klasse danach vorgetragen werden. Dies gilt natürlich generell für alle Inhalte.

„Urban Geotrail“ lässt sich in den Lehrplan 21 integrieren. Inhaltlich sind die Geotrails hauptsächlich im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft des LP 21 und dort insbesondere bei Natur und Technik sowie Räume, Zeiten, Gesellschaften angesiedelt. Sie greifen jedoch auch in den Fachbereich Gestalten hinein, wo die Fähigkeit gefördert wird, wahrzunehmen, zu beobachten und zu reflektieren, und
wo die Auseinandersetzung mit Kunst (und damit im weiteren Sinn auch mit Architektur) thematisiert wird.
Eine Einführung in das Thema Gesteine und Geologie findet im Klassenzimmer statt. Dafür empfehlen wir, mit einer „Rockbox“ zu arbeiten, in welcher sich alle benötigten Gesteine befinden:
• Möglichst „bunter“, gerunderter Kies aus einer Kiesgrube (3-6 cm gross),
• mindestens Bruchstücke von Graniten, Gneisen, Kalksteinen, Sandsteinen und Marmoren, wenn möglich zusätzlich auch andere Gesteine (ca. 5-10 Stk. pro Sorte).
Wir stellen bei Bedarf solche Gesteine zur Verfügung, benötigen aber eine gewisse Vorlaufzeit.

Zusätzlich verfügt der Geotrail über einen Abschluss, in welchen die behandelten Gesteine in einen grösseren Zusammenhang gestellt werden. Auch dieser eignet sich eher zur Bearbeitung im Klassenzimmer.

Der Abschluss des Geotrails kann als Überleitung zu einer „klassischen“ Besprechung des Themas Geologie dienen, wie er in den meisten Lehrbüchern für die Sekundarstufe I existiert.

Vorkenntnisse: Vorausgesetzt wird die Kenntnis der Breitengrade und Himmelsrichtungen sowie eine basale Vorstellung von Klima und Atmosphäre, da diese bei einigen Posten vorkommen. Auch die Lage der Kontinente sollte bekannt sein.

Kriterien für die Auswahl der Posten:
Es gibt in Bern sehr viele Gesteine an Gebäuden und Brunnen. Davon eignen sich jedoch nur wenige als Posten für den Geotrail. Die fachlichen Schwerpunkte bei der Auswahl sind:
• Sichtbarkeit geologischer Phänomene, die es ermöglichen, Geschichten zur Entstehung der Gesteine zu entwickeln.
• Historische, architektonische und kulturelle Bedeutung des Bauwerks und / oder des Gesteins. Dies hat auch Einfluss auf die Dauerhaftigkeit der Posten (moderne Fassaden sind oft wenig dauerhaft und werden häufiger umgestaltet).
• Möglichst kompletter Querschnitt durch wichtige geologische Prozesse.
• Didaktischer Aufbau von einem Posten zum nächsten. Verkehrstechnische und logistische Auswahlkriterien:
• Maximale Reduktion der Gefährdung durch den Strassenverkehr an den Posten und auf dem Weg dorthin.
• Keine stark befahrenen Strassen oder wenn, dann genügend Abstand zum rollenden Verkehr, sichere Überquerung gewährleistet.
• Keine von Fussgängern und Touristenströmen stark frequentierten Orte / Plätze / Passagen etc.
• Möglichst geringe Störung von Geschäften (Eingänge zu Läden, Restaurantbetriebe im Freien etc.).
• Kein Einbezug von Innenräumen (Kirchen, öffentliche Gebäude etc.).
• Keine Störung der Privatsphäre (private Innenhöfe, Eingänge zu Privathäusern).

Rekognoszierung
Es ist möglich, dass der Zugang zu den Fassaden gewisser Gebäude zeitweise erschwert oder verunmöglicht ist, z. B. durch Strassenbaustellen oder Renovationsgerüste. Es ist deshalb von Vorteil, wenn die Lehrpersonen den Geotrail vorgängig rekognoszieren können. Falls dies nicht möglich ist, müssen
die Schülerinnen und Schüler darauf aufmerksam gemacht werden, dass ev. solche Probleme bestehen und der Zugang nicht erzwungen werden darf. Inbesondere im Fall von Bauarbeiten bestehen auch Sicherheitsrisiken.

Lesen des Stadtplans
Bei Testläufen wurden die Posten teilweise dort gesucht, wo im Plan die Postennummern stehen, statt dort, wo die Posten markiert sind. Die Schülerinnen und Schüler müssen explizit darauf aufmerksam gemacht werden, wie der Plan zu lesen ist.

Bildung von Gruppen
Der Geotrail soll in Gruppen begangen werden. Zweiergruppen sind optimal, je nach Klassengrösse und vorhandener Zeit sind auch grössere Gruppen möglich.

Zeitbedarf
Der Geotrail beinhaltet 15 Posten. 10 Posten bieten neues Wissen an, wovon 6 umfangreich sind und
4 weniger umfangreich. An 5 Posten wird in knapper Weise bereits Bekanntes repetiert und gefestigt.
Der Geotrail lässt sich mit einer Klasse in einem halben Tag absolvieren. Es ist es jedoch empfehlenswert,
einen ganzen Tag einzuplanen. Dadurch kann die Gefahr reduziert werden, durch Unvorhergesehenes
in Zeitnot zu geraten und es bestehen Zeitreserven für weitere Aktivitäten in der Stadt.

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Dokumentation